Grow Guide Kapitel [5]

Düngung & Substrate – Nährstoffmanagement für stabile Ernten

Licht und Klima bestimmen, was möglich ist – Düngung & Substrate entscheiden, ob deine Pflanzen dieses Potenzial auch wirklich nutzen. In diesem Kapitel lernst du, wie Erde, Coco und andere Medien funktionieren, wie du Nährstoffe dosierst, pH & EC verstehst und typische Mangel- oder Überdüngung sicher erkennst.

Für Einsteiger verständlich erklärt
Fokus auf Praxis & Fehlersuche
Optimiert für Erde & Coco-Setups

Grundlagen: Wie Substrat & Dünger zusammenarbeiten

Substrat und Dünger bilden zusammen das „Versorgungssystem“ deiner Pflanzen. Das Substrat speichert Wasser und Nährstoffe, hält Luft für die Wurzeln bereit und bestimmt, wie schnell oder langsam Dünger verfügbar wird. Der Dünger liefert die eigentlichen Nährstoffe – vom grundlegenden NPK bis zu Spurenelementen.

Je nach Substrat hast du mehr oder weniger „Puffer“:

Erde (Soil) Verzeiht Fehler, da sie Nährstoffe puffert. Ideal für Einsteiger. Düngung erfolgt meist moderat über das Gießwasser und/oder als Langzeitdünger im Substrat.
Coco Reagiert schneller auf Änderungen, braucht aber konsequente pH-/EC-Kontrolle. Beliebt bei Fortgeschrittenen, die mehr Kontrolle über Nährstoffe wollen.
Hydro / Inert Maximale Kontrolle, aber kaum Puffer. Empfohlen, wenn Erde & Coco bereits sicher laufen.

Verknüpfte Kapitel: [4] Keimung & Anzucht [6] Bewässerung & Feuchtigkeit

Substrate im Vergleich: Erde, Coco & mehr

Die Wahl des Substrats hängt von deinem Erfahrungslevel, deinem Bewässerungsstil und deiner Zielsetzung ab. Die folgende Übersicht hilft bei der Einordnung:

SubstratEigenschaftenFehlertoleranzGeeignet für
Biologische ErdeOrganische Nährstoffe, viel Puffer, „lebendiger“ BodenHochEinsteiger & Low-Maintenance-Grows
Mineralische ErdeVorgedüngt, reagiert etwas schneller auf DüngerzugabenMittelEinsteiger und Fortgeschrittene
CocoSehr luftiges Substrat, hohe Drain-Anteile, präzises DüngenMittel–NiedrigFortgeschrittene, präzise Steuerung
Inert (z. B. Steinwolle)Keine eigene Nährstoffspeicherung, alles über NährlösungNiedrigErfahrene Grower & Hydro-Systeme

Für die meisten Home-Grow-Setups ist eine hochwertige Erde der ideale Einstieg. Du kannst mit einfachen Düngeplänen arbeiten, hast Puffer gegen Fehler und musst dich nicht dauerhaft mit hohem EC-Messaufwand beschäftigen.

Verknüpfter Shopbereich: [S5] Dünger & Substrate

NPK, pH & EC – die wichtigsten Werte im Überblick

Hinter vielen Fachbegriffen stecken eigentlich einfache Konzepte. Wenn du sie einmal verstanden hast, wird Düngung deutlich weniger mysteriös.

NPK – die „Makronährstoffe“

  • N (Stickstoff): sorgt für Blatt- und Triebwachstum, intensiv grüne Farbe.
  • P (Phosphor): wichtig für Wurzeln, Energiehaushalt und Blütenbildung.
  • K (Kalium): unterstützt Blüten, Zellstruktur und Stressresistenz.

Zusätzlich gibt es Calcium, Magnesium und Spurenelemente wie Eisen, Zink oder Kupfer, die in guten Düngerlinien bereits passend abgestimmt sind.

pH-Wert

Der pH-Wert bestimmt, wie gut Nährstoffe im Substrat aufgenommen werden können. Liegt er dauerhaft außerhalb des Zielbereichs, kann es auch bei korrekter Düngermenge zu Mangelerscheinungen kommen.

  • Erde: Zielbereich meist 6,0–7,0
  • Coco / Hydro: Zielbereich meist 5,5–6,2

EC-Wert

Der EC-Wert beschreibt die elektrische Leitfähigkeit einer Lösung – vereinfacht gesagt: wie viel „Zeug“ (Nährstoffe, Salze) sich darin befindet. Er hilft dir, die Stärke deiner Nährlösung einzuschätzen und Über- oder Unterdüngung besser zu kontrollieren.

Verknüpfte Tools: [T7] EC-/Nährstoff-Rechner [T8] pH-Guide & Korrekturhilfe

Düngung nach Phase: Richtwerte für Einsteiger

Jede Phase hat unterschiedliche Anforderungen. Die folgenden Werte sind Orientierungen und ersetzen nicht die Herstellerangaben deines Düngers – helfen aber beim Einordnen.

PhaseSubstratDüngungHinweis
Keimung & SämlingeErde / Coco0–25 % der HerstellerempfehlungOft reicht Substratvorrat aus
Frühe WachstumsphaseErde25–50 %Langsam steigern, Pflanzen beobachten
Kräftige WachstumsphaseErde50–75 %Nur erhöhen, wenn Pflanzen vital wirken
Frühe BlüteErde / Coco50–75 % (Blütedünger)Auf P & K achten, N leicht reduzieren
Volle BlüteErde / Coco70–100 %Nur gut entwickelte Pflanzen voll fahren
Endphase / SpülphaseAlle0 %Nur Wasser, je nach Stil 7–14 Tage

Viele Probleme entstehen, wenn Einsteiger zu schnell auf 100 % der Herstellerempfehlung gehen. Starte lieber niedrig, steigere langsam und beobachte deine Pflanzen – sie „sprechen“ mit dir über Farbe, Blattstruktur und Wachstum.

Schritt-für-Schritt: Einen Fütterungsplan sicher umsetzen

Düngerpläne der Hersteller wirken oft komplex, lassen sich aber in einfache Routinen übersetzen. So gehst du strukturiert vor:

1. Substrat & Düngerlinie auswählen

Entscheide dich zunächst für eine Substratart (z. B. biologische Erde) und eine dazu passende Düngerlinie. Halte dich möglichst an ein System, statt viele Produkte zu mischen.

Verknüpfter Shopbereich: [S5] Dünger & Substrate

2. Herstellerplan lesen & herunterbrechen

Sieh dir den Plan pro Phase an und notiere dir für dein Setup vereinfachte Zielwerte (z. B. „Woche 3–4 Wachstum: 50 % der Empfehlung“).

3. Nährlösung anmischen

Wasser zuerst, Dünger dann – nie umgekehrt. Komponenten nacheinander einrühren und etwas stehen lassen. Optional mit EC- und pH-Meter prüfen und bei Bedarf korrigieren.

Verknüpfte Tools: [T7] EC-Rechner [T8] pH-Guide

4. Gießrhythmus festlegen

Nicht nach Kalender, sondern nach Bedarf gießen: Topfgewicht, Fingerprobe und Pflanzenausdruck sind deine wichtigsten Indikatoren. Die Nährlösung kommt immer dann ins Spiel, wenn wirklich gegossen wird.

5. Pflanzen lesen & Plan anpassen

Reagiere auf Anzeichen von Mangel, Überdüngung oder Stress mit kleinen Anpassungen – keine extremen Schritte. Halte dir Notizen zu Datum, Dosis und Reaktion der Pflanzen.

Typische Nährstoffprobleme & erste Gegenmaßnahmen

Nicht jeder Fleck ist direkt ein großes Problem – aber je früher du Muster erkennst, desto einfacher kannst du reagieren.

Überdüngung (Nährstoffüberschuss)

  • sehr dunkle, „satte“ Blätter, oft nach unten gekrümmt („Claws“),
  • verbrennte Blattspitzen (braune Tips),
  • EC im Drain sehr hoch.

Lösung: Düngermenge reduzieren, ein bis zwei Gießzyklen nur mit Wasser (oder stark reduzierter Lösung) arbeiten, EC im Drain prüfen.

Mangelerscheinungen

  • Aufhellungen zwischen den Blattadern, fleckige Blätter,
  • ältere Blätter werden früh gelb, während neue noch grün sind,
  • insgesamt schwaches Wachstum trotz guter Umweltbedingungen.

Lösung: Sicherstellen, dass pH passt, dann Dünger moderate erhöhen. Bei starkem Mangel ggf. gezielte Ergänzung (z. B. CalMag), nicht alles gleichzeitig hochfahren.

Verknüpfte Kapitel: [1] Licht & Beleuchtung [2] Luft & Klima [6] Bewässerung & Feuchtigkeit

Empfohlenes Equipment für sauberes Nährstoffmanagement

Einige Tools machen den Unterschied zwischen „Pi mal Daumen“ und planbarem Nährstoffmanagement.

  • Qualitätsdünger passend zum Substrat: Komplettsysteme (Grow/Bloom + Zusatzstoffe) erleichtern die Planung.
    [S5] Dünger & Substrate
  • pH-Meter oder Indikatorlösung: Um den Zielbereich im Wasser/Nährlösung zu kontrollieren.
  • EC-Meter: Besonders sinnvoll bei Coco und präziser Düngung mit Drain-Kontrolle.
  • Messbecher & Spritzen: Für exakte Dosierung kleiner Mengen.
  • Notizbuch / App: Zum Festhalten von Düngergaben, Beobachtungen und Anpassungen.

FAQ: Häufige Fragen zu Düngung & Substraten

Ab wann sollte ich überhaupt mit Dünger anfangen?

In vorgedüngter Erde reicht der Vorrat oft für 1–2 Wochen nach der Keimung. Starte danach mit 25–50 % der Herstellerempfehlung und beobachte die Pflanzen. In Coco wird meist früher und regelmäßiger, aber schwächer dosiert.

Brauche ich unbedingt ein pH- und EC-Messgerät?

Für einfache Erdgrows ist ein pH-Meter hilfreich, ein EC-Meter optional. In Coco und Hydro sind beide sehr sinnvoll, um das System stabil zu halten.

Kann ich mehrere Düngerlinien kombinieren?

Möglich, aber für den Anfang nicht empfehlenswert. Bleib lieber bei einer durchdachten Linie und lerne, wie deine Pflanzen darauf reagieren. Später kannst du feinjustieren oder kombinieren.

Wie lange sollte ich am Ende „spülen“?

Das hängt von Substrat und Stil ab. In stark vorgedüngten oder intensiv gefütterten Systemen arbeiten viele mit 7–14 Tagen, in sehr minimalistisch gedüngten Bio-Setups teils weniger. Wichtig ist, dass die Pflanzen am Ende gesund ausreifen, nicht „verhungern“.

Rechtlicher Hinweis

Alle Inhalte in diesem Kapitel sind rein informativ und richten sich an volljährige Personen. Die praktische Umsetzung darf ausschließlich im Rahmen der jeweils gültigen gesetzlichen Bestimmungen erfolgen. Es erfolgt keine Aufforderung zu illegalen Handlungen.

Dein nächster Schritt im Grow Guide

Wenn du Substrat und Nährstoffsystem festgelegt hast, geht es an die praktische Umsetzung beim Gießen: Bewässerung, Drain-Kontrolle und Feuchtigkeit sind das Bindeglied zwischen Wurzeln, Dünger und Klima.

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