Grow Guide Kapitel [6]

Bewässerung & Feuchtigkeit – Wasserhaushalt im Griff

Zu viel, zu wenig, zu oft, zu selten – die meisten Probleme im Indoor-Grow sind Wassersachen. In diesem Kapitel lernst du, wie du richtig gießt, Drain kontrollierst, die Luftfeuchtigkeit im Zielbereich hältst und deine Pflanzen vor Wurzelfäule, Trockenstress und Schimmel schützt.

Praxisnah für Erde & Coco
Fokus auf Drain & Topfmanagement
Mit Feuchtigkeits- & Klima-Checklisten

Grundlagen: Wasser als Transportmedium – nicht nur „durstige Pflanzen“

Wasser ist im Grow nicht nur „Trinken“, sondern das Transportmittel für Nährstoffe, Sauerstoff und Abfallprodukte. Über das Wasser erreichst du Wurzeln, pH, Nährstoffverfügbarkeit und indirekt sogar deine Luftfeuchtigkeit. Ein sauberer Wasserhaushalt verbindet [5] Düngung & Substrate mit [2] Luft & Klima.

Das Ziel ist ein Rhythmus, bei dem das Substrat zwischen „frisch durchfeuchtet“ und „fast wieder trocken“ pendelt – ohne Staunässe, ohne extremes Austrocknen. So bekommen die Wurzeln abwechselnd Wasser, Nährstoffe und Luft und bleiben gesund.

Faustregel: Gieße nicht nach Uhr, sondern nach Bedarf. Topfgewicht, Fingerprobe und Pflanzenausdruck sind wichtiger als ein starrer Kalender.
Substrat Bestimmt, wie viel Wasser gehalten wird und wie schnell es abläuft. Leichte Erde & Coco trocknen schneller, schwere Mischungen langsamer.
Topfgröße Kleine Töpfe trocknen schneller, große langsamer. Zu große Töpfe bei kleinen Pflanzen begünstigen Staunässe.
Klima Hohe Temperatur & niedrige Luftfeuchtigkeit = schnelleres Austrocknen, kühles, feuchtes Klima = langsamer.

Gießmethoden & Drain – wie du wirklich „richtig“ gießt

Egal ob Erde oder Coco: Das Grundprinzip ist ähnlich. Du befeuchtest das komplette Wurzelvolumen und lässt danach wieder abtrocknen – statt immer nur oben ein bisschen zu benebeln.

Wie viel Wasser pro Gießvorgang?

Ein bewährter Richtwert sind 10–20 % Drain: Wenn du 1 Liter Nährlösung in einen Topf gibst, sollten unten 100–200 ml wieder herauslaufen. So wird altes Wasser im Substrat ausgetauscht und Salze können sich nicht unbemerkt anreichern.

Typische Vorgehensweise

  • Substrat durch Antippen und Topfgewicht prüfen.
  • Langsam gießen, damit das Wasser nicht direkt an den Rändern vorbeirutscht.
  • Bis zum ersten Drain warten, kurz pausieren, dann ggf. etwas nachgießen.
  • Drain auffangen und nicht im Untersetzer stehen lassen.

Verknüpfte Tools: [T9] Gießmengen- & Drain-Rechner

Wasserbedarf nach Phase & Pflanzengröße

Kleine Pflanzen in großen Töpfen, große Pflanzen in kleinen Töpfen, Hitze, Winter – alles beeinflusst, wie häufig du gießen musst. Die folgende Tabelle gibt dir ein Gefühl für typische Gießabstände (nur als Orientierung!):

PhaseTypische TopfgrößeGießabstandHinweis
Keimlinge & Sämlinge0,25–0,5 lalle 1–3 TageKleine Mengen, Oberfläche nicht austrocknen lassen
Wachstum, mittlere Pflanzen3–7 lalle 2–4 TageTopfgewicht & Fingerprobe als Indikator
Späte Wachstumsphase7–11 lalle 2–5 TageStark sorten- und klimaabhängig
Blüte, große Pflanzen7–18 lalle 1–3 TageHoher Bedarf, aber Staunässe vermeiden

Achte darauf, dass dein Substrat zwischen den Gießvorgängen sichtbar leichter wird und die oberste Schicht abtrocknet – aber nicht staubtrocken und hart wird. In Coco-Setups wird meist etwas häufiger, dafür mit niedrigerer Konzentration gegossen.

Luftfeuchtigkeit im Grow – Wohlfühlbereich statt Perfektionsstress

Luftfeuchtigkeit beeinflusst, wie stark deine Pflanzen Verdunstungsdruck spüren. Zu trockene Luft zwingt sie, viel Wasser nachzuziehen, zu feuchte Luft erhöht das Schimmelrisiko – vor allem in der Blüte.

Orientierungsbereiche

PhaseLuftfeuchtigkeitKommentar
Keimung & Sämlinge65–75 %Hohe rF erleichtert Start, Domes/Minigewächshaus ideal
Wachstumsphase50–70 %Mehr Blattmasse = mehr Verdunstung, Klima im Auge behalten
Frühe Blüte45–60 %Schimmelprävention beginnt hier
Späte Blüte40–50 %Möglichst trocken & gut durchlüftet, um Budrot zu vermeiden

Wenn du später mit VPD (Vapor Pressure Deficit) arbeiten möchtest, kannst du Klima noch feiner justieren. Für den Einstieg reichen die oben genannten Bereiche, kombiniert mit einem Blick auf Blätter und Wachstum.

Verknüpftes Kapitel: [2] Luft & Klima [7] Blütephase

Schritt-für-Schritt: Deine Gießroutine im Alltag

Eine simple, aber konsequent angewendete Gießroutine wirkt Wunder. So kannst du vorgehen:

1. Topfgewicht & Fingerprobe

Hebe den Topf kurz an (oder kippe ihn leicht an) und merke dir das Gewicht im trockeneren und im frisch gegossenen Zustand. Stecke einen Finger 2–3 cm tief ins Substrat – ist es dort noch deutlich feucht, warte mit dem Gießen.

2. Nährlösung mischen (falls nötig)

Wenn gedüngt werden soll: Wasser vorbereiten, Dünger nach Plan zugeben, gut umrühren, optional pH/EC prüfen und anpassen. Für Zwischengüsse kannst du auch nur Wasser ohne Dünger nutzen, je nach System.

Verknüpfte Kapitel: [5] Düngung & Substrate

3. Langsam & gleichmäßig gießen

Gieße in mehreren kleinen Runden, statt alles auf einmal in den Topf zu kippen. So kann das Substrat Wasser aufnehmen, ohne dass alles am Rand vorbeiläuft. Ziel: Wasser soll sich gleichmäßig im Topf verteilen.

4. Drain kontrollieren & entfernen

Wenn die ersten Tropfen im Untersetzer erscheinen, noch ein wenig warten und dann stoppen. Den Drain nach wenigen Minuten wegschütten – stehendes Wasser ist eine Einladung für Wurzelfäule.

5. Klima & Pflanzenausdruck beobachten

Nach dem Gießen Luftfeuchtigkeit und Temperatur im Blick behalten. Hängen die Blätter kräftig und prall oder wirkt alles übergossen? Je besser du Beobachtung und Gießverhalten verknüpfst, desto „intuitiver“ wird dein Handling.

Typische Fehler bei Bewässerung & Feuchtigkeit – und wie du sie vermeidest

Fast jeder hat irgendwann die eine Runde, die „nur wegen Gießen“ schiefging. Gut: Du kannst die Klassiker von Anfang an kennen.

Zu viel Wasser / Staunässe

  • Substrat dauerhaft schwer und matschig.
  • Blätter hängen nach unten, wirken „overwatered“ & stumpf.
  • Eventuell muffiger Geruch aus dem Topf.

Lösung: Gießabstände verlängern, Drain sicherstellen, ggf. Topfgröße oder Substrat prüfen.

Zu seltenes oder zu oberflächliches Gießen

  • Substrat oben knochentrocken, unten noch nass.
  • Wurzeln bleiben im oberen Bereich, statt den Topf durchzuwachsen.
  • Blätter können oberhalb trocken wirken, während unten Staunässe herrscht.

Lösung: Wenn gegossen wird, dann gründlich – komplett durchfeuchten mit moderatem Drain, danach aber auch wieder antrocknen lassen.

Dauerhaft zu hohe Luftfeuchtigkeit

  • Besonders in der späten Blüte kritisch (Schimmel in Buds).
  • Kondenswasser an Wänden, wenig Luftbewegung.

Lösung: Abluft hochfahren, ggf. Luftentfeuchter nutzen, Gießmengen leicht anpassen und in [2] Luft & Klima die Klimastrategie nachschärfen.

Empfohlenes Equipment für Wasser- & Feuchtigkeitsmanagement

Mit ein paar einfachen Tools wird der Wasserhaushalt viel planbarer und weniger „Bauchgefühl-only“.

  • Messbecher, Spritzen & Gießkanne: Für reproduzierbare Gießmengen und Düngerdosierungen.
  • Untersetzer & Auffangwannen: Damit Drain kontrolliert aufgefangen, gemessen und entfernt werden kann.
  • Thermo-/Hygrometer: Mindestens ein Gerät auf Blatthöhe, smarte Sensoren optional.
    [S2] Sensoren & Smart-Stecker
  • Luftbefeuchter / -entfeuchter (optional): Je nach Raumklima, besonders hilfreich im Winter (Heizungsluft) oder in sehr feuchten Kellern.
  • Automatische Bewässerungssysteme (fortgeschritten): Tropfbewässerung oder Blumat-Systeme sind spannend, wenn die Basics sitzen und du Routinen automatisieren willst.

FAQ: Häufige Fragen zu Bewässerung & Feuchtigkeit

Woran erkenne ich, ob meine Pflanzen Wasser oder Ruhe brauchen?

Topfgewicht & Substrat sind der Schlüssel: Fühlt sich der Topf noch schwer an und ist das Substrat innen feucht, brauchen sie Ruhe. Erst wenn der Topf deutlich leichter und die obere Schicht trocken ist, wird es Zeit zum Gießen.

Ist „jeden Tag kleine Mengen“ eine gute Idee?

In klassischen Erdgrows eher nicht. Besser ist, das komplette Wurzelvolumen zu durchfeuchten und dann wieder antrocknen zu lassen. In Coco kann häufiger gegossen werden – hier ist die Systematik aber etwas anders.

Wie wichtig ist Drain wirklich?

Sehr wichtig, besonders bei mineralischer Düngung. Drain verhindert Salzaufbau im Substrat und gibt dir einen Einblick in EC und pH. In einigen Bio-Systemen wird mit weniger oder ohne Drain gearbeitet – hier sollte das Gesamtkonzept darauf ausgelegt sein.

Was tun, wenn Luftfeuchtigkeit nachts stark ansteigt?

Das ist normal, wenn Licht ausgeht und Verdunstung sinkt. Gegensteuern kannst du mit stärkerer Abluft in der Dunkelphase, Optimierung der Gießzeiten (nicht kurz vor Licht aus) und ggf. einem Entfeuchter im Growraum.

Rechtlicher Hinweis

Alle Inhalte in diesem Kapitel sind rein informativ und richten sich an volljährige Personen. Die praktische Umsetzung darf ausschließlich im Rahmen der jeweils gültigen gesetzlichen Bestimmungen erfolgen. Es erfolgt keine Aufforderung zu illegalen Handlungen.

Dein nächster Schritt im Grow Guide

Wenn Wasserhaushalt und Luftfeuchtigkeit sitzen, bist du bereit für die Königsdisziplin: die Blütephase. Dort geht es darum, all deine Einstellungen auf Ertrag, Qualität und Schimmelprävention zu trimmen.

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