Feuchte & VPD einfach erklärt – der Praxis-Guide mit Charts, Formeln & Fixes
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Feuchte & VPD einfach erklärt – der Praxis-Guide ohne Mathefrust

Wenn dein Klima stimmt, verzeiht die Pflanze fast alles andere. Dieser Guide macht dich in wenigen Minuten VPD-fit – mit Zielbereichen je Phase, Blatt-Temperatur-Korrektur, typischen Fehlerbildern und einem einfachen 3-Schritte-Plan, den du direkt in deinem Zelt umsetzen kannst.

Hinweis (DACH)

Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken in legalen Kontexten. Prüfe die geltenden Gesetze in deinem Land und Bundesland. Keine Rechtsberatung und keine Aufforderung zum Anbau oder Konsum.

Warum VPD der geheime Hebel ist

VPD (Vapor Pressure Deficit) beschreibt den „Trocknungsdruck“ zwischen Blatt und Umgebungsluft. Ist er zu niedrig, „schwitzt“ die Pflanze kaum – der Nährstofffluss lahmt, Schimmel droht. Ist er zu hoch, verdunstet sie zu stark – Stress, Mängel und eingerollte Blattkanten sind die Folge.

Seedling VPD ~0.6–0.9 kPa
Hohe rF, sanfter Luftzug, geschütztes Mikroklima.
Vegi VPD ~0.9–1.2 kPa
Stabiler Gaswechsel, kräftiges Wachstum.
Blüte VPD ~1.1–1.5 kPa
Gute Trocknung der Buds, weniger Schimmelrisiko.

Merke Perfekte Nährstoffaufnahme braucht „Durchzug“ im System – VPD ist der Drehregler dafür.

Die einfache Praxisformel – mit & ohne Mathe

Ohne Taschenrechner

Nutze die Zielbereiche aus der Tabelle und justiere nur eine Stellschraube auf einmal: Temperatur oder rF (relative Feuchte).

Beispiel:
• Zu trocken? rF um 5–10 % erhöhen oder Temp um 1–2 °C senken.
• Zu feucht? rF um 5–10 % senken oder Temp leicht erhöhen.

Mit Taschenrechner (optional)

1) Sättigungsdampfdruck (SVP) für Blatt-Temp T (°C):
SVP = 0.6108 × e^(17.27 × T / (T + 237.3)) in kPa

2) VPD berechnen:
VPD = SVP × (1 - rF / 100)

3) Wichtig: Mit Blatttemperatur rechnen, nicht nur mit der Lufttemperatur.

Blatt-Temperatur-Korrektur (LTD)

  • LED-Setups: Blätter sind oft 1–2 °C kühler als die Luft – VPD ist niedriger als du denkst → Feuchte nicht zu stark drücken.
  • HID/warme Räume: Blätter können 0–2 °C wärmer sein – VPD ist höher als gedacht → etwas mehr rF zulassen.
  • Praxis: Miss 3 Spots (oben/mittig/rand) mit IR-Thermometer und nimm den Mittelwert als Blatt-Temp.

Wichtig Ein günstiges IR-Thermometer kostet wenig, aber spart dir sehr viel Rätselraten bei Mängeln und Stressmustern.

Zielbereiche – Temperatur & Feuchte je Phase (inkl. VPD)

Die folgenden Werte sind bewusst als Spannen angegeben. Jede Genetik und jedes Setup hat einen eigenen Sweet Spot – die Tabelle ist dein Rahmen, in dem du feinjustierst.

PhaseLufttemp (°C)Blatttemp (°C)rF (%)VPD (kPa)Hinweise
Keim / Seedling22–2521–2470–850.6–0.9Abdeckung/Minigewächshaus, sanftes Licht, kaum Zug.
Vegetativ23–2622–2555–700.9–1.2Umluft sanft, Blätter sollten sich leicht bewegen.
Frühe Blüte23–2522–2445–601.0–1.3Geruchsschutz checken, Unterdruck und Filterleistung stabil halten.
Späte Blüte22–2421–2340–501.2–1.5Schimmelprävention: Luftkanäle frei, Blätter nicht zu dicht, rF nachts beobachten.

Nutze dein Grow-Log, um zu notieren, bei welchen VPD-Bereichen Pflanzen am vitalsten aussehen (Blatthaltung, Farbe, Wachstumstempo).

3-Schritte-Plan: Dein Klima in 48 Stunden stabil

  1. Messen: Luft- & Blatttemperatur sowie rF auf Kronenhöhe messen. Notiere 3 Zeitpunkte pro Tag (morgens / Mitte / abends).
  2. Eine Variable bewegen: Entweder rF (Befeuchter/Entfeuchter) oder Lufttemp (Dimmer, Abluft, Heizquelle) anpassen – nicht beides gleichzeitig.
  3. Wirkung prüfen: 6–12 Stunden warten, erneut messen. Erst wenn die Änderungen stabil wirken, den nächsten Hebel anfassen.

Prinzip Viele kleine, zielgerichtete Anpassungen schlagen „alles auf einmal“. Jede Hauruck-Aktion produziert mehr Chaos als Nutzen.

Beispiele

  • Zu trocken? Befeuchter höher stellen oder Abluft leicht reduzieren, ggf. Lampenleistung minimal senken.
  • Zu feucht? Abluft erhöhen, Entfeuchter aktivieren, weniger „nasse“ Bewässerungszeiten in die Dunkelphase legen.
  • Große Schwankungen? Steuerung glätten (EC-Lüfter mit Softstart, Befeuchter/Entfeuchter nicht im „Stakkato“ betreiben).

Werkzeugkiste – was für VPD wirklich hilft

  • Thermo-/Hygrometer mit Datenlog (Bluetooth/WLAN) – Trend wichtiger als Einzelwert.
  • IR-Thermometer für Blatttemperatur (LTD), vor allem unter LEDs.
  • Befeuchter/Entfeuchter in passender Größe zum Raumvolumen.
  • EC-Lüfter + Steuerung – Lüfterleistung fein dosieren statt nur „0 oder 100 %“.
  • Schlauch-Schalldämpfer – macht lautere Abluft leiser und gibt dir Reserven nach oben.

Nice-to-have vs. Must-have

Must-have:
• Solides Thermo-/Hygrometer
• IR-Thermometer (vor allem bei LED)

Nice-to-have:
• Datenlogging / Smart-Sensoren
• Automatische Lüfter- & Feuchte-Steuerungen

Starte einfach, logge sauber – automatisieren kannst du später immer noch.

Fehlerbilder & schnelle VPD-Fixes

SymptomVPD-FehlerSofortmaßnahmeWeiteres Vorgehen
Canoeing, trockene RänderVPD zu hoch (zu trocken / zu warm)rF +5–10 %, Lufttemp −1–2 °C, Licht leicht dimmen.Blatttemp messen, Luftwege prüfen, Luftstrahl nicht direkt aufs Blätterdach richten.
„Schwere“ Blätter, SchimmelgefahrVPD zu niedrig (zu feucht)rF −5–10 %, Umluft erhöhen, Blätter auslichten.Nacht-rF besonders beobachten, Entfeuchter zeitgesteuert einsetzen.
Langsames WachstumVPD schwankt starkNur 1 Hebel pro Tag verändern, Log führen.EC-Lüfter mit Softstart/Automatik, Befeuchter/Entfeuchter nicht im Minutentakt schalten.
Cal/Mg-Muster trotz „korrektem“ ECÜber-Verdunstung (hohe VPD)VPD senken (rF rauf oder Temp runter).Zuerst Klima stabilisieren, erst dann Nährlösung anpassen – sonst riskierst du Überdüngung.

Mythen-Check: Feuchte & VPD

  • „Je trockener, desto besser gegen Schimmel“: Zu trocken killt Performance – besser stabil im Zielkorridor bleiben, statt in die Wüste zu gehen.
  • „VPD ist nur was für Pros“: Mit zwei Messwerten (Temp & rF) bist du drin. Der Rest ist Routine und Gefühl.
  • „Mehr Umluft = immer besser“: Zu starke Ströme verursachen Blattstress. Ein sanfter Tanz der Blätter reicht.

Reality-Check mit deinem Log

Halte fest, wann Probleme auftreten (z. B. nachts, kurz nach Gießen, in Hitzephasen). Kombiniert mit Temp/rF-Daten erkennst du Muster – und kannst sie beim nächsten Run gezielt vermeiden.

Mini-Workflows (Copy & Paste in dein Grow-Log)

Daily VPD-Check (30 Sekunden)

Temp (Luft / Blatt) · rF · kurzer Kommentar („wirkt trocken/feucht“) → Korrektur: ±5 % rF oder ±1 °CBeispiel Logzeile: [Tag 21] 24 °C Luft / 23 °C Blatt · 56 % rF · „leicht trocken“ → Ziel: rF +5 %, Lüfter minimal drosseln

Night-Mode Workflow

1) Abluft nachts −10–20 % (sofern rF passt) 2) rF +5 % akzeptieren, solange keine Kondensation 3) Nach Licht-Aus: Blätterdach checken (kein Tau, keine „nassen“ Stellen) 4) Problem? → rF senken, Unterdruck erhöhen, Blätterdichte prüfen

Bildidee – Feuchte & VPD im Growraum

Dunkler, futuristischer Growraum mit LED-Panel oben, darunter ein grünes Blätterdach. Daneben ein holografisches VPD-Chart mit Temperatur- und Feuchteachsen sowie markierten Zielbereichen (Seedling, Vegi, Blüte). Kleine Icons für Thermometer, Tropfen (rF) und Blatt-Temp. Neon-grüne und türkisfarbene Akzente im Growlinger-Stil.

Feuchte und VPD einfach erklärt mit Growraum Visualisierung und VPD Diagramm

Bild-Prompt (für KI-Bildgenerator, Englisch)

dark futuristic indoor grow room, modern LED panel above a lush cannabis canopy, next to a glowing VPD chart showing temperature on one axis and humidity on the other, highlighted target zones for seedlings, veg and bloom, holographic icons for leaf temperature, humidity and airflow, neon green and teal Growlinger style accents, cinematic lighting, ultra detailed, 16:9

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© Growlinger · Veröffentlicht am 2025-11-25

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